Da gab es – die Älteren werden sich erinnern – im Hollywood der späten 80er Jahre den sogenannten Fluxkompensator. Das ist ein röhrender Sportwagen, der mit bis 140 km/h durch die kalifornische Kleinstadt Hill Valley rast und zugleich eine echte Zeitmaschine ist. Erfunden von Doc. Brown, einem spleenigen Professor mit wirrem Haar und kruden Ideen, versetzt er den Professor, den jugendlichen Marty Mc Fly und die Zuschauer in die Vergangenheit, um dort die Probleme der Gegenwart zu lösen – oder sie gar nicht entstehen zu lassen. „Zurück in die Zukunft“ eben - so der Titel von 1985, dem immerhin zwei weitere Teile folgten.

Doch beschleicht mich manchmal der Verdacht, als würde gerade ein weiteres Remake live aufgezeichnet, und wir alle sind Teil der Handlung. In mehr als einem Feld von Politik und Gesellschaft jedenfalls scheint die Parole - salopp formuliert - ‚Zurück in die Zukunft‘ zu lauten.
Wir leben in ungewöhnlichen Zeite im Wochen- manchmal im Tagesrhythmus ändern sich Koordinaten der Weltpolitik und des Völkerrechts, erodieren in einst starken Demokratien die Grenzen des Sagbaren und Denkbaren, zu schweigen von der immer drastischer sich verschärfenden und immer offener sich zeigenden planetaren ökologischen Krise.
Das macht schlaflos, es macht träge, es macht wütend oder es lässt verzweifeln – oder alles zusammen. Die Frage, wie das alles morgen sein wird, ist kaum auszuhalten und wird, so scheint, wenn überhaupt dann eher mit dem Rücken zur Zukunft beantwortet. Und die Antworten für morgen sehen denen von gestern verdächtig ähnlich.
Ein bisschen weniger Regenbogen und Diversity, ein bisschen mehr Zeit für den Verbrennermotor und etwas weniger Gendersprache und Gleichstellung, ein Dutzend mehr Gaskraftwerke für den Übergang und überhaupt eine Portion mehr Zeit und Gelassenheit bei der CO2 Reduktion, eine gehörige Portion mehr Druck auf Empfänger*innen von Sozialleistungen und Geflüchtete, und dann wird schon alles ungefähr wieder so werden wie (es) früher (niemals war) ... Zurück in die Zukunft eben. Fluxkompensator-Politik. Im Hollywoodfilm von 1985 läuft der übrigens mit Plutonium, später dann – ökologisch korrekt – mit Müll …
‚Siehe, ich mache alles neu‘. So lautet einer der letzten Sätze der Bibel aus dem Buch der Apokalypse (Kapitel 21, Vers 5). Er wurde für das Jahr 2026 zum ökumenischen Motto, zur sog. Jahreslosung gewählt. Nein, wir sind nicht Gott, nicht wir müssen und können alles neu machen.
Aber wir können und sollen etwas, manches, vieles wirklich neu machen. Wenn schon die Frage wie es morgen werden wird, kaum auszuhalten ist, dann gilt neu, wirklich neu zu fragen, wie es denn werden soll, wie es sein könnte.
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Jan-Dirk Döhling

Dr. Jan-Dirk Döhling, Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft
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