Was ist der Unterschied zwischen Mensch und Maschine? Wird sich Künstliche Intelligenz dem Menschen angleichen? Oder der Mensch der KI? Wie lässt sich das Menschliche in einer immer digitalisierteren Welt bewahren und wo liegen eigentlich die Grenzen der Maschinenwelt?
Darüber wurde intensiv am ersten Novemberwochenende in Haus Villigst diskutiert. Eingeladen hatte der an der Evangelischen Akademie angesiedelte Arbeitskreis für Naturwissenschaft und Theologie, der seine diesjährige Tagung an diesen Fragen ausgerichtet hatte.

Dass Lebenskunst, die Kunst, ein gutes, reiches und tätiges Leben zu führen, etwas sehr anderes ist, als ein rein rechenbasiertes und auf Effizienz angelegtes output von KI, stand buchstäblich im Mittelpunkt. Der bekannte Philosoph Wilhelm Schmid ließ diese Lebenskunst in seinem Vortrag plastisch werden: Unmittelbare Erfahrungen, Wahrnehmung von Raum und Zeit, Begegnungen sind wesentliche Dimensionen des Menschseins, ohne die das Leben sinnlos wird.
Auch in den übrigen Vorträgen und Workshops wurde dem Gedanken weiter nachgegangen, wie das Verhältnis von Mensch und Maschine sinnvoll und nutzbringend gestaltet werden kann. Die Bedeutung von KI als Werkzeug und Unterstützung für menschliches Handeln war ebenso Thema wie die Wichtigkeit eines ethisch reflektierten Umgangs mit dieser machtvollen Technik. Auch die politische Dimension kam nicht zu kurz. Liegt doch die konkrete Macht über die und mit der Künstlichen Intelligenz derzeit in den Händen einiger weniger Tech-Millionäre.
Dazu konnte insbesondere der Physiker und Autor Timo Daum interessante Perspektiven einbringen: Leitend bei der weiteren Entwicklung und Nutzung von KI müsse das Gemeinwohl sein, anstelle die Profitmaximierung von Firmen.
Auch die Philosophin Martina Philippi und der Theologe Constantin Plaul schauten differenziert auf das Thema: Die Fähigkeit zur Moral, zur Sinndeutung und zur Begrenzung der Technik liege ausschließlich beim Menschen. Eine Abtretung bedeutender und folgenreicher Entscheidungen an die KI dürfe es daher nicht ohne weiteres geben. Vielmehr müsse der Mensch seine Besonderheit gegenüber der Maschine in den Blick nehmen und sein Handeln auf das Gute ausrichten, das für alle Menschen zu erstreben sei und aus theologischer Perspektive auch die Bestimmung des Menschen durch den Schöpfer sei.
Quantenphysiker Thomas Görnitz erläuterte in einem weiteren Vortrag den Unterschied zwischen menschlichem Geist und Maschinenintelligenz, der häufig in den aufgeregten Debatten um KI und ihr Entwicklungspotential unterschlagen wird. Der menschliche Geist ist ungleich komplexer, naturgebunden und offener als die Maschine es jemals sein wird, so seine These.
Eine hochspannende Tagung, die Menschen aus ganz unterschiedlichen Kontexten zusammenführte, zu angeregten Diskussionen führte und Raum für persönliche Begegnungen untereinander und mit den hochkarätigen Referenten bot.
Ich bin keine Maschine – dieses Fazit stand am Ende. Aus dieser Einsicht erwächst die Aufgabe, eine menschliche und menschenangemessene Lebenskunst unter bedachter und beschränkter Nutzung von digitaler Technik und künstlicher Intelligenz einzuüben.
Doch darin liegen auch Chance und Verheißung, waren sich die Teilnehmenden am Ende einig.

Dr. Friederike Barth, Evangelische Akademie Villigst
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