Zum Schluss fanden sie doch noch Einlass. Obwohl es lange anders aussah. Und das Publikum fieberte mit an jeder neuen Tür und empörte sich mit, bei jeder neuen Ablehnung, die diplomatisch unverfänglich, mit Achselzucken, mit zusammengekniffenen Lippen vorgetragen wurde: „Geht nicht, tut wirklich mir leid.“ „Schert Euch fort, wir haben mit uns selbst genug zu tun. Seht halt zu, wo ihr bleibt.“ „… müssen wir leider mit Bedauern ablehnen.“ Abweisung und später Einlass sind klassische Weihnachtsmotive – alle Jahre wieder neu aufgeführt in unzähligen Krippenspielen. Und alle sind sich einig – und auf der richtigen Seite.

Während aber die lieben Kleinen ihren Text einüben und sich auf den Bühnen in Kirchen und Gemeindehäusern die Herbergs- und Gasthaus- und Stalltüren schließen und zuletzt doch noch öffnen, steht im neuen Bundeshaushalt für 2026 unter dem Stichwort Resettlement und Humanitäre Aufnahme die Summe Null Euro. Schon der Koalitionsvertrag der neuen Regierung sah das so vor: „Wir werden freiwillige Bundesaufnahmeprogramme soweit wie möglich beenden … und keine neuen Programme auflegen.“
In der Folge wurden Menschen, Familien und Kranke, alleinerziehende Mütter, die schon so gut wie im Flieger saßen, wieder ausgeladen. Auch Menschen, die für das – von der EKvW – mitgetragene Projekt NesT (Neustart im Team) im Flüchtlingslager in Kenia ausgewählt worden waren. Freiwillige, die sich bei NesT engagierten, die schon alles für ihre neuen Schützlinge vorbereitet hatten, ihre Zeit, ihr Geld und teils sogar ihre eigenen Wohnungen zur Verfügung gestellt hatten, wurden lange vertröstet, dann bitter enttäuscht.
Jetzt aber dürfen sie doch noch kommen. Kaum bemerkt von den Medien, fast als wäre zu viel Öffentlichkeit peinlich, mehren sich kurz vor Jahresende, kurz vor Weihnachten die Zweizeiler, darüber, dass Menschen, die im Rahmen internationaler Absprachen Aufnahmezusagen der Bundesregierung erhalten hatten – die aber nach dem Regierungswechsel bisher nicht umgesetzt waren – doch noch einreisen können.
Und in diesen Tagen werden dem Innenministerium über 95.000 Unterschriften übergeben, die dazu aufrufen, dass Deutschland zu seinen Aufnahme-Zusagen steht und weiterhin im Rahmen internationaler Abkommen auch Raum für vulnerable Flüchtlinge bietet, die niemals auf legalem Weg, soweit kommen könnten, Asyl in Europa auch nur zu beantragen. Oder anders gesagt, die „sonst keinen Raum in der Herberge“ der Menschenrechte und Humanität bekämen, als, die sich Europa selbst sieht.
Gott sei Dank für jede dieser Unterschriften, für die NesT-Mentor*innen, die ihre Enttäuschung in eine beeindruckende Aktion verwandelt haben und für alle, die sich in Parteien und Behörden, in Gesellschaft und Kirche, dem neuen Ton der Härte und Unerbittlichkeit verweigern. Es gibt sie und es sind viele!
Viel Freude bei der Lektüre unseres Newsletters und Gottes Segen im Advent wünscht Ihnen
Jan-Dirk Döhling

Dr. Jan-Dirk Döhling, Leiter des Instituts für Kirche und Gesellschaft
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