„Ich bin einigermaßen beunruhigt“, warnt Dr. Ian Malcolm, im Dinosaurier Film Jurassic Park als er gemeinsam mit weiteren Protagonist*innen vom „König der Dinosaurier“, dem Tyrannosaurus Rex, gejagt wird. Auch ich, und vielleicht auch Sie, bin „einigermaßen beunruhig“, wenn ein anderes Ungeheuer aus den Untiefen der Geschichte auftaucht: die fossilen Energieträgern.

In Deutschland machten energiebedingte Emissionen aus fossilen Energieträgern im Jahr 2023 83,5 Prozent der deutschen Treibhausgas-Emissionen aus, Tendenz sinkend. Doch Pläne der neuen Bundesregierung, allen voran ihrer Wirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU), deuten auf eine Renaissance vor allem von Gas hin. Dabei ist der Ausbau der Erneuerbaren Energien heute wichtiger denn je. Schon aus ökonomischen Gründen. Derzeit kostet uns allein der Import fossiler Energien 80 Milliarden Euro pro Jahr. Und die Reduktion der fossilen Abhängigkeit ist nicht nur aus ökonomischen oder Klimaschutzgründen wichtig. Sie ist, das zeigt gerade wieder der Iran-Krieg, auch ein bedeutender Beitrag zu Frieden, globaler Sicherheit und Gerechtigkeit.
„Die Welt ändert sich so schnell, dass wir laufen müssen, um nicht zurückzubleiben,“ mahnt Dr. Alan Grant in Jurassic Park. Auch wir müssen nun laufen, eigentlich sogar rennen, um die Ausbauziele der Erneuerbaren oder gar die Klimaschutzziele noch zu erreichen. Dabei sind die Erneuerbaren ein Erfolgsprojekt. Sie tragen in Deutschland bereits rund 60% zum Strombedarf bei und sind damit ein zentraler Baustein des Klimaschutzes. Und sie sind auch billiger als Fossile. Gemäß einer Studie des Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme sind in Deutschland die Stromgestehungskosten – das sind die durchschnittlichen Erzeugungskosten pro Kilowattstunde Strom – bei PV-Freiflächenanlagen und Onshore-Windenergieanlagen mit Kosten von 4,1 bis 9,2 Cent unter allen Kraftwerksarten am geringsten. Global war das Erneuerbare Energie Gesetz ein Exportschlager und hat nicht zuletzt den Aufstieg Chinas zum weltweiten Marktführer bei den Erneuerbaren beflügelt. Nach Berechnung der Internationalen Energie Agentur wurden im Jahr 2025 weltweit zweimal so viel Geld in erneuerbare Energieträger (inkl. Kernkraft) investiert wie in fossile Energieträger.
Also: „Es hätte schlimmer kommen können. Viel schlimmer“, so Ray Arnold in Jurassic Park. Doch damit es nicht doch noch schlimmer kommt, muss der Kurs einer konsequenten Förderung der Erneuerbaren, eines verstärkten Ausbaus von Netzen und Speicherkapazitäten beibehalten, ja, sogar noch forciert werden. Ergänzend und sozial abgefedert muss die Nutzung fossiler Energien teurer werden, z.B. durch den Abbau klimaschädlicher Subventionen wie dem Dieselprivileg oder die schnelle und konsequente Umsetzung des EU-Emissionshandels 2 im Verkehrs- und Gebäudesektor. Das Herumdoktern an erfolgsversprechenden und bereits implementierten Instrumenten wie dem Gebäudeenergiegesetz oder dem sogenannten „Verbrenneraus“ hingegen macht die Bahn frei für die Jagd der fossilen Raubsaurier. Persönlich möchte ich da nicht der Gejagte sein. Und Sie?

Dr. Sven Rudolph, Referent für Klimapolitik
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