„Über sieben Brücken …“ – Bonn und der Klimawandel

Zweimal Bonn und die Hitzewelle, diese Themen haben die Gemüter im Westen im Juni wohl am meisten erhitzt, wortwörtlich.

Aber mal chronologisch: Am 3. Juni, ganz ohne Vorwarnung, wurde die Nordbrücke in Bonn gesperrt mit erheblichen Auswirkungen auf den Pendelverkehr in der Rheinmetropole. Vom 8. bis zum 18. Juni fanden dann in Bonn, dem Sitz des UN-Klimasekretariats, die Vorverhandlungen für die Weltklimakonferenz COP31 statt. Und rechtzeitig zum Ende der Konferenz, quasi als erneutes Warnsignal, dass der Klimawandel auch in Deutschland bereits angekommen ist, kam die Hitze mit neuen Allzeitrekorden im Westen und deutschlandweit. Schelmisch könnte man angesichts dieser Ereignisse mit Karat – und später Peter Maffay – anstimmen: „Über sieben Brücken musst du gehen, Sieben dunkle Jahre überstehen …“. Die dunklen Jahre?

Aquarell „Hallig“ von Emil Nolde_©Nolde Stiftung Seebüll_Original

In der internationalen Klimapolitik herrscht seit dem Amtsantritt von Präsident Trump weitgehend Stillstand. Nachdem viele Regelwerke ausverhandelt waren, sollte die letztjährige Weltklimakonferenz in Brasilien die „COP of Implementation“, die Konferenz der Umsetzung werden. Viel gelungen ist dabei aber nicht. Und auch die Vorverhandlungen zur nächsten COP endeten in Bonn ohne nennenswerte Fortschritte, obwohl gerade die Internationale Klimafinanzierung und anspruchsvollere nationale Klimaschutzziele unbedingt konkretisiert und umgesetzt werden müssten. Deutschland selbst sollte dafür seine sechs Milliarden Euro Finanzierungszusage einhalten und wirksamere Maßnahmen zur Einhaltung der eigenen Klimaschutzziele umsetzen, gerade im Verkehrs- und Gebäudesektor. Die aktuellen Kürzungen im Bundeshaushalt und die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes sprechen diesbezüglich allerdings eine andere Sprache. “Manchmal scheint die Uhr des Lebens still zu steh‘n, Manchmal scheint man immer nur im Kreis zu geh‘n“, texten Karat treffend.

Die Hitzewellen kommen immer früher, werden häufiger und intensiver. Die NINA-Warnapp meldete elf Tage in Folge eine extreme Hitzebelastung im Westen. Wieder wird die Zahl der Hitzetoten in Europa in die Tausende gehen. Schon im Jahr 2025 zählte das Robert Koch Institut 2.500 hitzebedingte Sterbefälle in den Kalenderwochen 15 bis 38. Und die Kosten der aktuellen Hitzewelle für die deutsche Wirtschaft beziffert das Prognos-Institut auf 431 Millionen Euro pro Tag. Özden Terli, Meteorologe beim ZDF, fand, gefragt nach seiner Einschätzung, nur ein Wort der Situationsbeschreibung: „krass“. Eine bessere Klimaanpassung ist daher auch in Deutschland dringend notwendig. Doch fehlen gerade den zuständigen Kommunen die finanziellen Mittel. Eine neue Studie des Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft zeigt, dass trotz des Sondervermögens für Infrastruktur und Klimaneutralität eine erhebliche Finanzierungslücke klafft, die zum Beispiel durch die von Greenpeace vorgeschlagene Vermögenssteuer geschlossen werden könnte.

Und die Brücke in Bonn? Sie stellt erneut die Frage nach einer nachhaltigen Verkehrspolitik, klimagerecht, verlässlich und für alle verfügbar. Im Vorfeld wichtiger Entscheidungen zum neuen Infrastruktur-Zukunftsgesetz zeigt eine unter anderem von der Klima-Allianz Deutschland in Auftrag gegebene Untersuchung, dass es hierfür eines klaren Fokus auf den Erhalt von Straßeninfrastruktur, Brücken und Schienennetz sowie den Ausbau des ÖPNV bedarf statt unwirtschaftlicher Autobahnneubauten. Eine rückwärtsgewandte Verkehrspolitik à la „Manchmal geh ich meine Straße ohne Blick, manchmal wünsch‘ ich mir mein Schaukelpferd zurück“, wie sie das Verkehrsministerium gerade betreibt, hilft da wenig.

Zum Schluss aber noch die positive Aussicht: In der zweiten Hälfte jedes Refrains heißt es bei Karat „Sieben Mal wirst du die Asche sein, aber einmal auch der helle Schein.“ So will ich heute mit Blick auf den letzten Vers mit Zuversicht enden, gerade auch vor dem Hintergrund der eigentlich verfügbaren nachhaltigen Problemlösungen bei Klimaschutz und -anpassung und dem gerade auch in unserer Landeskirche andauernden Engagement für eine klimagerechte Zukunft.

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Dr. Sven Rudolph, Referent für Klimapolitik

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