Was bleibt, was kommt?
Klimapolitik am
Jahresübergang

von Sven Rudolph

„Leise rieselt der Schnee“, denke ich – vielleicht etwas aus dem Monat gefallen – während ich diese erste Klima-Kolumne für den IKG-Newsletter schreibe. Draußen vor dem Fenster wirbelt der kalte Nordost-Wind feine Schneeflocken durch die Luft, und schon zum zweiten Mal in diesem noch jungen Jahr bedeckt eine feine weiße Schneeschicht die nordfriesische Landschaft.

Doch auch wenn Frost und Schnee es gerade leicht vergessen lassen: Wir befinden uns mitten in einer menschgemachten Erderhitzung, die historisch beispiellos ist. Alljährlich Mitte Januar meldet das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus die Klimadaten für das vergangenen Jahr. Und, siehe da, auch 2025 war eines der wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnung. Doch auch wenn es keine neuen Hitzerekord brach, im Durchschnitt der vergangenen Jahre drei lag der globale Temperaturanstieg über der Grenze des Paris-Abkommens von 1,5°C. Keine guten Aussichten also.

Aquarell „Hallig“ von Emil Nolde_©Nolde Stiftung Seebüll_Original

Auch klimapolitisch hinterlässt 2025 wenig Positives: Auf dem globalen Parkett begann das Jahr mit dem erneuten Ausstieg der USA aus dem Paris-Abkommen und endete mit dem weitgehenden Scheitern der Weltklimakonferenz in Brasilien. Zu Hause wollen zwar Deutschland und die EU an den gesetzliche verankerten Klimaschutzzielen festhalten. Die Aufweichung des sogenannten „Verbrenneraus“ und die Verschiebung des neuen EU-Emissionshandels für Gebäude und Verkehr (EU ETS 2) passen dazu allerdings nicht. Sind es doch gerade diese Sektoren, die laut Klimaexpertenrat der Bundesregierung, beim Klimaschutz deutlich hinterherhinken.

Was kann nun also 2026 bringen? Schon Anfang 2026 hat die neue Bundesregierung die Chance, Ernst zu machen beim Klimaschutz. Bis zum 25. März muss sie ein Klimaschutzprogramm vorlegen, das die Einhaltung der deutschen Klimaschutzziele sichert. Eine klare Finanzierungsstrategie, die konsequent klimaschädliche Subventionen abbaut, gleichzeitig aber ausreichend Fördermittel vor allem für eine nachhaltige Mobilitäts- und Wärmewende bereitstellt, steht dabei im Zentrum. Auf europäischer Ebene müssen Bestrebungen zur weiteren Schwächung des Green Deal abgewehrt und eine ökologisch ambitionierte und sozial gerechte Umsetzung des EU ETS 2 vorangetrieben werden. Und ohne das versprochene deutliche Aufstocken der Internationalen Klimafinanzierung durch den Globalen Norden wird es wohl kaum gelingen, den Globalen Süden ausreichend vor den Folgen des Klimawandels zu schützen oder ihn gar zu eigenen Emissionsminderungen zu bewegen. Viel bleibt zu tun.

Während es also vor meinem Fenster weiter frostig weiß rieselt, gilt für die Klimapolitik in 2026 national wie global: „The Heat is on“.

Die neue Klima-Kolumne wird die Debatten begleiten – ob heiß, ob kalt.

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Dr. Sven Rudolph, Referent für Klimapolitik

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