
Gerade vor den zwiespältigen Erfahrungen aus den Jahren von 1933-1945 war die Einsicht erwachsen, dass Kirche nicht selbstgenügsam sein darf. Vielmehr soll sie Stätte des Austauschs und des gemeinsamen Strebens unterschiedlicher Menschen und gesellschaftspolitischer Akteure nach Gerechtigkeit, Frieden, nach einem solidarischen Gemeinwesen, nach ökologischer Verantwortung und nach politischen, sozialen und kulturellen Mitgestaltungsmöglichkeiten für alle Bürgerinnen und Bürger sein. Zu ihren Aufgaben gehört es damit auch, extremistischen und spalterischen Tendenzen in der Gesellschaft entgegenzuwirken.
Diese Idee, Orte zu schaffen für den Diskurs über gesellschaftspolitische und theologische Themen, zugleich Ort der Begegnung von Menschen unterschiedlicher Anschauungen und Überzeugungen, verschiedener Profession, verbunden in dem Wunsch, eine andere, humane Gesellschaft und Demokratie zu leben, führt kurz darauf zur Gründung Evangelischer Akademien in verschiedenen Landeskirchen, 1950 auch in Westfalen. Sitz wird zunächst das Wasserschloss Hemer. Aber Veranstaltungen finden – unter hohem persönlichem Einsatz des damaligen Leiters – an vielen verschiedenen Orten statt: „Die Akademiearbeit vollzog sich in den ersten Jahren als Wanderakademie. […] So war ich einige Jahre auf den Landstraßen von Rheinland-Westfalen und erlitt mehrere Unfälle.“
Seit Mitte der 1950er Jahre ist die Akademie dann in Haus Ortlohn in Iserlohn zuhause, einer Fabrikantenvilla mit weitläufigem Park. Ende der 1990er Jahre fällt der Entschluss der Landeskirche, das Institut für Kirche und Gesellschaft zu gründen, zu der auch die Akademie gehören soll. 2007 erfolgt der gemeinsame Umzug von Iserlohn nach Villigst. Haus Villigst wird zur neuen Tagungsstätte, die Akademie bleibt die Akademie, nun im Institut für Kirche und Gesellschaft (IKG).
In dieser Tradition wirkt die Evangelische Akademie Villigst bis heute – stets aufs Neue an den aktuellen Anforderungen ausgerichtet, als Ort des Austausches, der Begegnung, der Inspiration und des gemeinsamen Ringens um das heute und hier Richtige. Das 75-jährige Jubiläum ist daher nicht nur ein Anlass, dankbar zurückzuschauen, sondern ebenso zuversichtlich und getrost nach vorne zu gehen. Die Jubiläumstagung der Evangelischen Akademie widmet sich daher auch der offenen, gewiss nicht unkomplizierten, aber doch heute ebenso wie damals 1950 gestaltbaren und gestaltungsbedürftigen Zukunft aus der Haltung der Hoffnung.
Die Tagung „Krisen, Kriege, Konflikte: Zukunft – zwischen Angst und Hoffnung“ findet am 14.11.2025 und 15.11.2025 in Haus Villigst statt. Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Evangelischen Akademie Villigst und hier. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, teilzunehmen!
Dr. Friederike Barth
02304 / 755 321
friederike.barth@kircheundgesellschaft.de
Iserlohner Straße 25
58239 Schwerte
Dr. Stefanie Westermann
02304 / 755 320
stefanie.westermann@kircheundgesellschaft.de
Iserlohner Straße 25
58239 Schwerte