Ehrenamt stärken. Menschen vernetzen. Zukunft gestalten.

Ehrenamtskoordinator*innen im Kirchenkreis Bielefeld erhalten ihre Zertifikate

Mit der Übergabe der Zertifikate am 20.06.2026 ist ein Kurs zu Ende gegangen – und gleichzeitig etwas Neues entstanden.

Ehrenamtskoordination Bielefeld

In den vergangenen Monaten haben sich 20 Menschen aus Gemeinden und Arbeitsbereichen des Kirchenkreises Bielefeld zu Ehrenamtskoordinator*innen qualifiziert. Sie werden künftig vor Ort Ansprechpartner*innen für Ehrenamtliche sein, Engagement begleiten, Menschen vernetzen und dazu beitragen, dass Ehrenamt nicht dem Zufall überlassen bleibt.

Die Zertifikatsverleihung auf der Kreissynode markierte dabei weit mehr als den Abschluss einer Fortbildung. Sie steht für einen Kulturwandel: Ehrenamt soll künftig bewusster begleitet, wertgeschätzt und über Gemeindegrenzen hinweg vernetzt werden.

Ziel ist es, in allen Gemeinden qualifizierte Ansprechpartner*innen für Ehrenamtliche zu etablieren und gleichzeitig regionale Netzwerke aufzubauen, die voneinander lernen, Erfahrungen austauschen und gemeinsame Entwicklungen ermöglichen. Damit reagiert der Kirchenkreis Bielefeld auf Veränderungen, die viele Gemeinden derzeit beschäftigen: zunehmende Regionalisierung, enger werdende Ressourcen und die wachsende Bedeutung ehrenamtlichen Engagements für die Zukunft kirchlichen Lebens.

Über mehrere Monate hinweg beschäftigten sich die Teilnehmenden mit zentralen Fragen moderner Engagementförderung: Wie gewinnen wir neue Ehrenamtliche? Wie gelingt gute Begleitung? Was stärkt Motivation und Bindung? Wie schaffen wir Anerkennungskultur? Und wie können Menschen ihre Ideen und Begabungen wirksam einbringen? Zwischen den Workshops wurden die Inhalte direkt in der Praxis erprobt und weiterentwickelt.

Doch die Qualifizierung vermittelte weit mehr als Methoden und Werkzeuge.

Im Mittelpunkt stand eine Haltung.

Eine Haltung, die fragt: Wie können Menschen ihre Fähigkeiten einbringen? Wie können wir Engagement ermöglichen statt verwalten? Wie können Gemeinden voneinander lernen, statt jede Herausforderung allein lösen zu müssen? Und was wird möglich, wenn Ideen, Erfahrungen und Begabungen über Gemeindegrenzen hinweg geteilt werden?

Diese Perspektive verändert den Blick auf Ehrenamt grundlegend. Ehrenamtskoordination bedeutet nicht, Menschen zu organisieren. Sie bedeutet, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen ihre Gaben entfalten können.

Genau dafür werden Strukturen geschaffen.

Wie wertvoll das sein kann, zeigen die Erfahrungen aus der Martini-Kirchengemeinde in Bielefeld. Dort engagieren sich Regine Ballstaedt und Brigitte Mielke bereits seit einiger Zeit als Ehrenamtskoordinatorinnen.

„Es wurde klar, dass wir uns viel mehr um das Ehrenamt kümmern müssen und dafür eine eigene Struktur brauchen“, beschreibt Regine Ballstaedt die Ausgangslage.

Die Teilnahme am Zertifikatskurs habe dabei wichtige Impulse geliefert. Brigitte Mielke erinnert sich: „Wir sind mit einem Plan für unsere nächsten Schritte und vielen guten Ideen nach Hause gefahren.“

Heute profitiert die Gemeinde von klaren Arbeitsstrukturen, verbindlichen Ansprechpartner*innen und einer bewussten Anerkennungskultur. Vor allem aber habe sich der Blick auf Ehrenamt verändert. „Bei Planungen werden heute mehr und differenzierter Ehrenamtliche in den Blick genommen“, sagt Mielke.

Das Projekt im Kirchenkreis Bielefeld setzt dabei bewusst nicht auf den einen großen Wurf. Es setzt auf viele konkrete Schritte: Menschen werden eingeladen, Verantwortung zu übernehmen. Teams kommen miteinander ins Gespräch. Erfahrungen werden weitergegeben. Gemeinden lernen voneinander. Regionen wachsen zusammen.

Jeder einzelne Schritt mag unscheinbar wirken. Zusammengenommen entsteht daraus jedoch etwas, das für die Zukunft kirchlicher Arbeit entscheidend sein kann: eine Kultur, in der Menschen Verantwortung übernehmen können und dabei gut begleitet werden.

Mit diesen Ehrenamtskoordinator*innen ist dafür nun ein wichtiges Fundament gelegt.

Und vielleicht liegt genau darin die eigentliche Stärke dieses Projekts: Es schafft nicht einfach ein neues Angebot. Es schafft die Voraussetzungen dafür, dass Menschen Kirche aktiv mitgestalten können.

Der Kirchenkreis Bielefeld hat sich auf diesen Weg gemacht. Die ersten Erfahrungen zeigen, wie viel dadurch möglich wird.

Die Frage ist nun nicht mehr, ob Ehrenamtskoordination wirkt.

Die spannendere Frage lautet:
Was wird möglich, wenn noch mehr Kirchenkreise den Mut haben, Menschen, Engagement und Beteiligung so konsequent in den Mittelpunkt zu stellen?

Simone Osterhaus
Kompetenzzentrum Ehrenamt