Genug ist genug!

Internationaler Frauentag am 8. März 2026 und Streiktag am 9. März 2026

Am 8. März 2026 begehen wir erneut den Internationalen Frauentag – einen Tag des Erinnerns, des Widerstands und der Visionen. In diesem Jahr steht er unter einem besonderen Vorzeichen: Feministische Gruppen und Bündnisse rufen einen Tag nach dem Internationalen Frauentag, also am 9. März 2026, zu einem bundesweiten Streiktag auf.

Auch kirchliche Akteur*innen sind eingeladen, sich mit den Anliegen auseinanderzusetzen und solidarisch zu zeigen.

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Warum wird gestreikt?

Der feministische Streik ist Ausdruck jahrelanger Unzufriedenheit über strukturelle Ungleichheiten:

  • die anhaltende Lohnlücke zwischen Frauen und Männern,
  • ungleich verteilte Sorgearbeit,
  • prekäre Arbeitsbedingungen in sozialen, pflegenden und erzieherischen Berufen,
  • geschlechtsspezifische Gewalt,
  • unzureichende politische Repräsentanz von Frauen und queeren Menschen.

Gestreikt wird nicht nur in Betrieben, sondern symbolisch auch in Haushalten, in der Pflege von Angehörigen, in Bildungs- und Sorgekontexten – also überall dort, wo Arbeit oft unsichtbar bleibt. Der Streik macht sichtbar, was unsere Gesellschaft trägt.

Historischer Hintergrund

Der Internationale Frauentag geht zurück auf sozialistische Frauenbewegungen des frühen 20. Jahrhunderts. Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin regte 1910 auf einer internationalen Frauenkonferenz die Einführung eines jährlichen Frauentages an. Ziel war es, das Frauenwahlrecht sowie soziale und politische Gleichberechtigung durchzusetzen.

1975 wurde der Tag von den Vereinten Nationen (UN) als Internationaler Frauentag institutionalisiert. Der Aktionstag fordert die Bekämpfung aller Formen von Gewalt, Diskriminierung und Ausbeutung. Trotz rechtlicher Fortschritte bleibt echte Gleichstellung weltweit – und auch in Deutschland – unvollendet.

Neu: Das Töchterkollektiv - Politische Positionen und Aufruf

Das Töchterkollektiv gehört zu den Initiativen, die in diesem Jahr zum Streik aufrufen. Es versteht sich als intersektional-feministisches Bündnis. Das bedeutet: Geschlecht wird nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenspiel mit Herkunft, sozialem Status, Behinderung, sexueller Identität und weiteren Diskriminierungsformen.

Zu den zentralen Forderungen gehören:

  • Gerechte Entlohnung und Aufwertung von Care-Arbeit
  • Konsequente Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt
  • Gerechte Verteilung von Sorgearbeit
  • Schutz reproduktiver Selbstbestimmung
  • Solidarität mit FLINTA*-Personen (Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, trans- und agender Personen)

Der Streik ist bewusst als politisches Signal gedacht: Wenn wir unsere Arbeit niederlegen – bezahlt oder unbezahlt –, wird deutlich, wie systemrelevant sie ist.

Kirchliche Perspektive

Als Gleichstellungsbeauftragte der EKvW sehe ich eine klare Verbindung zwischen dem biblischen Auftrag zur Gerechtigkeit und den Anliegen des feministischen Streiks. Christlicher Glaube bedeutet, sich an die Seite derer zu stellen, deren Stimmen überhört werden.

Kirche ist Teil der Gesellschaft – und damit auch Teil ihrer Strukturen. Wir müssen uns fragen:

  • Wie geschlechtergerecht sind unsere eigenen Leitungsstrukturen? Wo können wir noch besser werden?
  • Wie zeigen wir klare Haltung für queere Menschen in unserer Kirche?
  • Wie kommunizieren wir diskriminierungssensibel – im kirchlichen Alltag als auch in unseren Gottesdiensten?
  • Wie wertschätzen wir Sorge- und Familienzeiten – auch in unseren kirchlichen Strukturen?
  • Wie konsequent treten wir weiterhin sexualisierter Gewalt entgegen?

Der Internationale Frauentag ist daher auch ein kirchlicher Prüfstein.

Was tun, wenn ich nicht streiken kann oder will?

Nicht jede Person kann sich am 9. März 2026 freinehmen und ihre Arbeit niederlegen – etwa aufgrund arbeitsrechtlicher Einschränkungen, Verantwortung in Pflege oder Seelsorge oder persönlicher Umstände. Doch es gibt andere Formen, die Solidarität zum Ausdruck bringen kann. Hier sind fünf Ideen, wie es gehen kann:

  1. Zeigen Sie Verbundenheit

Tragen Sie am Montag, den 9.3.26 ein feministisches Symbol, beteiligen Sie sich an Social-Media-Aktionen oder hängen Sie Plakate in Ihren Einrichtungen auf.

  1. Initiieren Sie Gespräche

Nutzen Sie Andachten, Teamrunden oder Gemeindeveranstaltungen, um über Gleichstellung zu sprechen.

  1. Machen Sie sich Ihre Sorgearbeit bewusst

Dokumentieren Sie einen Tag lang, welche unbezahlte Arbeit Sie leisten – und machen Sie diese sichtbar.

  1. Besuchen Sie eine frauenpolitische Veranstaltung

Nehmen Sie an einer Kundgebung oder Diskussionsrunde teil, sprechen Sie mit anderen über den Internationalen Frauentag und den diesjährigen Streiktag am 9.3.2026.

  1. Werden Sie aktiv

Engagieren Sie sich, unterstützen Sie z.B. Initiativen gegen Gewalt an Frauen in Ihrer Gemeinde oder setzen Sie sich für faire Bezahlung in sozialen Berufen ein.

Unser gemeinsamer Auftrag

Der 8. März ist der Tag, der uns international an die Rechte der Frauen und Mädchen erinnert. Er ist zugleich ein politischer Auftrag, denn: Gleichstellung ist eine Frage der Menschenwürde und der Gerechtigkeit – auch für unsere Kirche.

Ich lade Gemeinden, Einrichtungen und Einzelpersonen ein, sich mit den Anliegen des Internationalen Frauentags und des in diesem Jahr geplanten Streiktages am 9.3.2026 auseinanderzusetzen – im Gebet, im Gespräch und im öffentlichen Engagement.

Gerechtigkeit wächst dort, wo Menschen den Mut haben, Ungleichheit nicht hinzunehmen.

Für Rückfragen:
Nicole Richter
Leitung Fachbereich Frauen Männer Vielfalt
www.kircheundgesellschaft.de

Gleichstellungsbeauftragte der Evangelischen Kirche von Westfalen
gleichstellung@ekvw.de

Weitere Informationen finden Sie hier:

https://enoughgenug.org
https://toechterkollektiv.de/
https://unwomen.de/internationaler-frauentag
https://www.bpb.de/kurz-knapp/hintergrund-aktuell/560091/weltfrauentag-und-geschlechterungleichheit/

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Nicole Richter, Gleichstellungsbeauftragte der EKvW

Kontakt

Nicole Richter
02304 / 755 234
nicole.richter@kircheundgesellschaft.de
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58239 Schwerte