
Sven Rudolph: Die Finanzierung des Klimaschutzes ist ja sowohl auf globaler Ebene, z.B. bei der im November anstehen Weltklimakonferenz COP30 in Brasilien, als auch in den Haushaltsverhandlungen in Deutschland ein ganz zentrales Thema. Welche Rolle kann dabei die Klima-Kollekte spielen?
Magdalen Krewitt: Klimaschutz braucht Finanzierung und Solidarität. Die Klima-Kollekte zeigt, wie beides zusammengeht. Sie ermöglicht es Privatpersonen, Unternehmen, Gemeinden und Institutionen, durch freiwillige Beiträge zur Reduzierung globaler Emissionen beizutragen und gleichzeitig nachhaltige Entwicklung im Globalen Süden zu fördern.
Die internationale Klimafinanzierung steht vor großen Herausforderungen. Zwar wächst das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Anpassung und Resilienz, doch vielen Ländern des Globalen Südens stehen nicht ausreichend finanzielle Mittel für Klimaschutz und Anpassung zur Verfügung.
Die Länder des Globalen Nordens haben über viele Jahrzehnte hinweg einen erheblichen Teil der globalen Emissionen verursacht, während es vor allem die Länder des Globalen Südens sind, die die Folgen schon heute drastisch spüren. Wir tragen somit eine historische Verantwortung für die Klimakrise, die wir heute erleben. Klimafinanzierung ist deshalb eine Frage der Solidarität und der globalen Gerechtigkeit.
Freiwillige Beiträge wie der KlimaPlusBeitrag sind ein Weg, unserer Verantwortung konkret nachzukommen und gleichzeitig Projekte im Globalen Süden zu unterstützen.
Die Klima-Kollekte setzt hier an mit einem Modell, das Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung verbindet. In den Projekten werden nicht nur CO2-Emissionen reduziert, sondern lokale Strukturen gestärkt, Lebensbedingungen vor Ort verbessert und Einkommen geschafft.
Sven Rudolph: Klima-PlusBeitrag, das klingt spannend. Was ist das Besondere daran?
Magdalena Krewitt: Mit dem KlimaPlusBeitrag helfen Unterstützer*innen bei der Finanzierung von Klimaschutzprojekten. Diese tragen aktiv zur globalen Emissionsminderung bei, ohne dass Unternehmen die Einsparungen auf die eigene Emissionsbilanz anrechnen. Dies geschieht im Einklang mit dem Pariser Abkommen und ermöglicht es den Unterstützer*innen, im Bereich Klimaschutz aktiv zu werden.
Der Beitrag unterstützt zertifizierte Klimaschutzprojekte im Globalen Süden, die neben der Emissionsreduktion auch nachhaltige Entwicklung fördern und stärken so die globale Gerechtigkeit. Die eingesparten Emissionen können vom Projektland auf das nationale Klimaziel (NDC) angerechnet werden, nicht aber vom Geberland. Damit werden Doppelzählungen vermieden. Und da der KlimaPlusBeitrag die neuen Regeln für den Emissionsausgleich berücksichtigt ist er auch konform mit dem Pariser Klimaabkommen und verhindert Greenwashing. Mit dem KlimaPlusBeitrag entscheiden sich Unterstützer:innen damit bewusst für einen solidarischen Beitrag zum globalen Klimaschutz.
Sven Rudolph: Verhinderung von Greenwashing, das klingt erstmal gut. Solche Ausgleichprojekte sind ja ziemlich in Verruf geraten. Erst im vergangenen Jahr hat eine Studie im Fachmagazin „Nature“ gezeigt, dass weniger als 16% aller Projektgutschriften im Freiwilligen Kohlenstoffmarkt tatsächlich Emissionsminderungen entsprechen. Wie garantiert der KlimaPlusBeitrag echte Emissionsreduktionen?
Magalena Krewitt: Die Projekte der Klima-Kollekte sind nach dem Gold Standard for the Global Goals zertifiziert. Hierbei handelt es sich um einen international anerkannten Qualitätsstandard, der sicherstellt, dass die Projekte nachweislich Emissionen reduzieren und gleichzeitig positive soziale und ökologische Wirkungen entfalten. Solche Projekte sind dann wirklich Projekte mit Klimaschutzwirkung.
Die Projekte leisten nicht nur einen Beitrag zum Klimaschutz, sondern fördern auch weitere Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs). Der Zugang zu sauberer Energie verbessert die Gesundheit, wenn weniger Rauch in Innenräumen die Lebensqualität erhöht (SDG 3). Energieeffiziente Kochstellen entlasten Frauen und schaffen Zeitressourcen, die sie für einkommensbringende Tätigkeiten nutzen können – ein Beitrag zur Geschlechtergerechtigkeit (SDG 5). Ein Beispiel ist das Projekt in Kenia zur Verbreitung energieeffizienter Kochstellen.
Biogasanlagen ermöglichen den Zugang zu erneuerbaren Energien (SDG 7) und stärken lokale Wirtschaftskreisläufe. So entstehen Arbeitsplätze und Perspektiven vor Ort, was menschenwürdige Arbeit und wirtschaftliches Wachstum fördert (SDG 8). Ein schönes Beispiel ist das unser Projekt in Indien. Die Projekte zeigen, wie freiwillige Beiträge Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung wirksam verbinden.
→ Jetzt aktiv werden: Mehr Informationen unter www.klima-kollekte.de

Dr. Sven Rudolph, Referent für Klimapolitik
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