Gemeinsam mit 61 weiteren kirchlichen Organisationen und unterstützt von der Klima-Allianz Deutschland fordert die Evangelische Kirche von Westfalen (EKvW) von der Bundesregierung ein ambitioniertes Klimaschutzprogramm, ausreichende Klimainvestitionen und das Festhalten an bereits verabschiedeten Klimaschutzmaßnahmen.

Wenig wurde erreicht bei der Weltklimakonferenz in Brasilien, für das Weltklima und die internationale Gerechtigkeit. Mit den vereinbarten nationalen Zielen und Maßnahmen steuert die Welt auf eine Klimaerhitzung von 2,5°C zu, und die Beiträge zur Internationalen Klimafinanzierung bleiben ein Tropfen auf dem heißen Stein. Als Vorreiter im Klimaschutz haben Deutschland und Europa nun eine umso wichtigere Rolle. „Wir erwarten, dass die Bundesregierung die Chancen des Klimaschutzes für ein modernes Land, ein gutes Leben und eine sichere Zukunft erkennt und ihrer rechtlichen und moralischen Verantwortung für einen wirksamen und sozial gerechten Klima-schutz nachkommt,“ sagt Dr. Sven Rudolph, Klimapolitikexperte der Landeskirche und Sprecher der Klima-Allianz Deutschland „Zentral ist es dafür auch, bereits beschlossene Maßnahmen wie die Ausweitung des Emissionshandel auf die klimapolitischen Sorgenkinder, den Verkehrs- und Gebäudesektor, zeitnah und konsequent umzusetzen, CO2-Preise sozial gut abzufedern, zum Beispiel mit einem Klimageld, und ausreichend Mittel für Investitionen in den Klimaschutz bereit zu stellen. Das Sondervermögen reicht da nicht aus. Wirtschaft und Gesellschaft brauchen jetzt vor allem Planungssicherheit, auch die Kirchen.“
Als Landeskirche setzt die EKvW bereits konkrete Klimaschutzmaßnahmen um. Das verbindliche Klimaschutzgesetz strebt Klimaneutralität bis 2035 an, der Klimaschutzplan setzt diese um und die Klimapauschale – 4% der Kirchensteuereinnahmen – unterstützt Projekte finanziell. Mit einem eigenen landeskirchlichen Klimabüro und 23 von 26 Kirchenkreise, die im Landeskirchlichen Netzwerk für Klimaschutzmanagende vertreten sind, wird der Klimaschutz in die kirchliche Praxis getragen. Mit eigenen Bildungs- und Kommunikationsstrategien erreicht das EKvW-Klimabüro Klimaschutzbewegte in der Breite, knüpft mit dem Grünen Hahn an bewährte Umweltmanagementsysteme und unterstützt ab Frühjahr 2026 mit GuteApp klimaschutzbewusste Strategieprozesse auf Kirchengemeindeebene. „So gelingt Klimaschutz vor der eigenen Haustür,“ betont Dr. Sven Rudolph, „doch damit wir diesen Weg fortsetzen können, brauchen wir politische Unterstützung. Mit einem ambitionierten Klimaschutzprogramm kann die Bundesregierung den richtigen Rahmen für kirchlichen Klimaschutz setzen, sei es bei der Förderung erneuerbarer Energien, sei es bei der energetischen Sanierung.“
Hintergrund: Die Bundesregierung ist gesetzlich verpflichtet, bis spätestens März 2026 ein Klimaschutzprogramm vorzulegen, das die Einhaltung der deutschen Klimaschutzziele für 2030 und 2040 sichert. Die politischen Verhandlungen dazu laufen bereits. Der Klimaexpertenrat der Bundesregierung rechnet in seinem jüngsten Gutachten aus, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um die für 2030 gesetzten Klimaziele zu erreichen. Stattdessen drohe eine Reduk-tionslücke von fast 15 Millionen Tonnen CO2e pro Jahr. Zudem seien, so der Expertenrat, für die Finanzierung einer konsequenten sozial-ökologische Transformation jährlich öffentliche Mittel von rund 100 Milliarden Euro notwendig. Das Sondervermögen stellt über den Klima- und Transformationsfonds 10 Milliarden zur Verfügung.
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Dr. Sven Rudolph, Referent für Klimapolitik
Dr. Sven Rudolph
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