
„Der Emissionshandel etabliert sich als zunehmend wichtiges Instrument der Klimapolitik, in der EU, aber auch weltweit, und wir wollen uns an seiner nachhaltigen Gestaltung beteiligen“, so Dr. Sven Rudolph, Umweltökonom und IKG-Klimapolitikexperte. Trotz des vielfältigen gesellschaftlichen Gegenwinds sieht auch die neue deutsche Bundesregierung das Instrument als zentrale Säule ihrer Klimapolitik an. Und weltweit wird bereits fast ein Viertel aller Treibhausgas Emissionen durch Emissionshandelssysteme gedeckelt. Auf die ökologischen und ökonomischen Vorteile des Instruments hat die umweltökonomische Theorie bereits seit Ende der 1960er Jahre hingewiesen. Wie ein solcher Emissionshandel aber auch in der Praxis nachhaltig gestaltet – also nicht nur ökologisch effektiv und ökonomisch effizient, sondern auch sozial gerecht – hat unser Klimaexperte mit seiner australischen Kollegin Dr. Elena Aydos von der University of Newcastle bereits 2021 im Fachbuch „Carbon Markets Around the Globe – Sustainability and Political Feasibility“ demonstriert. Beide zeigen dort aber auch, dass viele Systeme in der klimapolitischen Praxis in Nordamerika, Asien und Ozeanien diesen Ansprüchen (noch) nicht genügen.
In einem jüngst erschienen Beitrag zum Buchband „Klimapolitik und Wirtschaftswachstum – Analyse eines wechselseitigen Spannungsverhältnisses“ diskutiert Dr. Sven Rudolph auf dieser Basis dann mit Prof. Dr. Achim Lerch von der FOM Hochschule für Oekonomie und Management mögliche Reformen des europäischen-Emissionshandels (EU EH). Hierzu gehören einerseits eine perspektivische Zusammenführung des seit 2005 umgesetzten EU EH 1 für den Energie- und Industriesektor sowie den Luft- und Schiffsverkehr mit dem für 2027 geplanten EU EH 2 für die Sektoren Straßenverkehr und Gebäude. Andererseits wird das Zusammenwirken des Emissionshandel mit ordnungsrechtlichen Instrumenten wie dem deutschen Gebäudeenergiegesetz oder dem EU-Zulassungsverbot neuer Verbrennerfahrzeuge ab 2035 analysiert. Zentrale Reformvorschläge werden auch für die Mittelverwendung im EU EH 1 und EU EH 2 gemacht, um negativen sozialen Verteilungswirkungen durch steigende CO2-Preise besser vorbeugen zu können.
Diesen Gedanken entwickelt der IKG-Klimapolitikexperte Rudolph derzeit in einem Beitrag, der 2026 im Sammelband „Späte Chancen für die Agenda 2030 – Notwendige Paradigmenwechsel, Akteure und Handlungsfelder“ erscheinen soll, zu einem grundlegenden Reformvorschlag für die Mittelverwendung aus der Versteigerung von Emissionsrechten im EU EH 1 und 2 weiter. Der Beitrag kommt damit gerade rechtzeitig zur dann anstehenden Umsetzung des EU EH 2. Die zentrale These lautet: Da ein ambitioniert ausgestalteter Emissionshandel bereits ökologisch und ökonomisch wirksam ist, sollte sich die Aufkommensverwendung auf die Abmilderung sozialer Härten fokussieren. Konkret geht es dabei bereits jetzt um zweistellige Milliardenbeträge, die bei zu erwartenden CO2-Preissteigerungen und dem geplanten Auslaufen der kostenlosen Zuteilung von Emissionsrechten an die Industrie zukünftig leicht dreistellig werden können. Verschiedene Studien legen nahe, dass eine Kompensation sozial negativer Wirkungen des Emissionshandels durch eine konsequente Nutzung von Versteigerungserlösen gelingen kann. Das noch von der Ampelregierung vorgesehene, wenn auch nicht umgesetzte allgemeine Klimageld wäre, besonders kombiniert mit gezielten Förderprogrammen für einkommensschwache Haushalte, dabei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.
Und auch international macht der Emissionshandel Fortschritte. Am 12. Dezember 2024 startete das Sistema Brasileiro de Comércio de Emissões de Gases de Efeito Estufa, der brasilianische Emissionshandel. Besondere Relevanz bekommt dies, da sich mit Brasilien ein weiterer Top-10-Treibhausgas-Emittenten dem Emissionshandel zuwendet und mit ihm eine der sich am schnellsten entwickelnden Volkswirtschaften. Den Umsetzungsprozess begleiten Dr. Sven Rudolph und Dr. Elena Aydos in einem Diskussionsbeitrag zur 26. Weltökosteuerkonferenz im brasilianischen Porto Alegre Ende September 2025 kritisch. Sie analysieren gemeinsam mit dem renommierten brasilianischen Juristen Prof. Ederson Porto das zugrundeliegende Gesetz und seine bisherige Umsetzung mit dem Ziel, den brasilianischen Emissionshandel in seiner Konkretisierung und politischen Umsetzung nachhaltiger zu gestalten. Das Potential dafür ist vorhanden, es bedarf aber noch zahlreicher Nachregulierungen. Um hier beratend zu agieren, soll der Beitrag daher auch zeitnah in Portugiesischer Sprache publiziert werden, neben der geplanten Veröffentlichung in der Konferenzbuchreihe „Critical Issues in Environmental Taxation“ im Jahr 2026 und eines praxisorientierten Kurzbeitrags im internationalen Fachjournal „Carbon and Climate Law Review“ im Dezember 2025.
Das IKG beteiligt sich so in vielfältiger Weise an der Verbesserung der Klimapolitik, national und internationale. „Gerade angesichts der aktuell angespannten Finanz- und Wirtschaftslage muss ein wirklich nachhaltig ausgestalteter Emissionshandel dabei eine zentrale Rolle spielen“, so unser Klimapolitik-Experte.

Dr. Sven Rudolph, Referent für sozial gerechte Klima- und Energiepolitik
Dr. Sven Rudolph
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