
„Für die Kirchen ist der Einsatz für Klimaschutz Teil ihrer DNA. … Wir als Kirche resignieren nicht. Mit Zuversicht treten wir für die Bewahrung der Schöpfung ein.“ Mit diesen Worten eröffnete Prälatin Dr. Anne Gidion, Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, jetzt eine Online-Veranstaltung des Instituts für Kirche und Gesellschaft (IKG). Sie fand statt in Kooperation mit der Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft (FEST) und der Klima-Allianz Deutschland. Die Veranstaltung war der dritte Teil einer Abendreihe zur Klimapolitik im Umfeld von Bundestagswahl und neuer Regierung. Insgesamt mehr als 300 angemeldete Teilnehmer*innen informierten sich so über die klimapolitischen Schwerpunkte der neuen Bundesregierung, über Chancen und Risiken, aber auch über kirchliche Strategien zur gemeinsamen Stärkung des Klimaschutzes.
Daniel Eggstein, Referent für Klimapolitik und soziale Gerechtigkeit bei der Klima-Allianz Deutschland, wies vor dem Hintergrund der vielen klimapolitisch kritischen Passagen im Koalitionsvertrag auf die Einflussmöglichkeiten bei wichtigen Prozessen hin. Dazu gehören zum Beispiel die Ausgestaltung des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität, das bis März 2026 fällige Klimaschutzprogramm und das EU-Emissionshandelssystem 2 für Gebäude und Verkehr. Er warb besonders für einen konkreten kirchlichen Appell zum Klimaschutzprogramm und generell dafür, das „Grundrauschen für den Klimaschutz“ auch in der Kirche deutlich zu erhöhen. Henrike Lederer, Referentin für nachhaltige Entwicklung bei der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej), forderte auf der Basis der vielfältigen klimapolitischen Erfahrungen ihrer Organisation vor allem ein Engagement auf verschiedenen politischen Ebenen von lokal bis global und eine stärkere Vernetzung. Der Klimaschutz-Appell der Jugendverbände zur Bundestagswahl 2025 und die aej-Werkstatt Transformation seien hier besonders gelungene Beispiele. „Bleibt in Bewegung und im Austausch“, so ihr abschließender Aufruf.
In drei Workshops erarbeiteten die Teilnehmer*innen konkrete Vorschläge für mehr kirchliches Engagement in der Klimapolitik. Hierzu zählten die Fokussierung auf konkrete Schwerpunktthemen wie die soziale Flankierung der CO2-Bepreisung, gemeinsame Aufrufe zum Erhalt des „Heizungsgesetzes“ mit vom Gesetz profitierenden Unternehmen sowie die effektivere Kommunikation von kirchlichen „Leuchtturm“- oder, wie ein Teilnehmer vorschlug, „Kirchturm“-Projekten.
Kirche müsse „Mahnerin, Motor und Mittlerin“ sein, assistierte Prälatin Dr. Anne Gidion. Kirche erinnert an die Verantwortung für die Schöpfung und für die Schwächsten, initiiert gesellschaftliche Debatten und konkrete Projekte und fördert den Dialog zwischen Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. „Beharrliches Engagement und klare Prioritätensetzung können auch unter schwierigen Rahmenbedingungen konkrete Fortschritte für den Klimaschutz ermöglichen.“
Tipp: Am 29./30. August 2025 widmet sich eine Online-Tagung der Frage nach einer nachhaltigen Klimafinanzierung im Globalen Süden und eine ergänzende Abendreihe begleitet einmal pro Monat aktuelle klimapolitische Debatten. Mehr Informationen hierzu finden sie auf der Veranstaltungsseite des IKG (www.kircheundgesellschaft.de/veranstaltungen).

Dr. Sven Rudolph, Referent für sozial gerechte Klima- und Energiepolitik
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