Es war zunächst mal so wie immer: Deutsche und Belarussen lagen sich in den Armen und freuten sich über das Wiedersehen. Die Teilnehmenden erinnerten sich bei einer Veranstaltung an die Erfolge der 30-jährigen Geschichte des deutsch-belarussischen Gemeinschaftsunternehmens Nadeshda in Belarus. Bewegende Erinnerungen an besondere Erlebnisse mit Kindern, die zur Erholung aus der Tschernobyl-Region im Kinderzentrum waren, wurden geteilt. Alle Mitgliedseinrichtungen der Freunde von Nadeshda in Deutschland waren mit dabei.

Und trotzdem waren entscheidende Dinge dieses Mal auch anders: Das Treffen fand nicht im Kinderzentrum Nadeshda in Belarus statt, sondern in der evangelischen Tagungsstätte Haus Villigst in Schwerte, Deutschland. Und es war nicht zum eigentlichen Jubiläumstermin im September 2024, sondern im März 2025. Die offiziellen Jubiläumsfeierlichkeiten im Kinderzentrum fanden dieses Mal ohne deutsche Gäste statt, ihre Teilnahme wurde durch die staatlichen Behörden verboten. Es gab Bilder von dieser Feier: an keiner Stelle wurde deutlich, dass es sich um ein deutsch-belarussisches Partnerschaftsunternehmen handelt.
An der Veranstaltung vom im Frühjahr in Villigst nahm unter anderem auch der langjährige Direktor des Kinderzentrums, Slawa Makuschinskij, teil. Im Oktober des vergangenen Jahres begann sein Ruhestand. Seine Nachfolgerin Svetlana Sinkiewitsch konnte jetzt nicht dabei ein, ihre Dienstreise nach Deutschland wurde von den belarussischen Behörden leider nicht genehmigt. Ein Zeichen dafür, dass die weitere Zusammenarbeit der Partner nicht reibungslos funktioniert. Nur wenige Wochen nach dem Freundestreffen in Villigst gab der deutsche Verein „Freunde von Nadeshda in Deutschland“ in einer Pressemitteilung bekannt, dass er aus der Trägerschaft des Kinderzentrums Nadeshda ausgeschieden ist. Neben der Enttäuschung über die Ausladung aus den Jubiläumsfeierlichkeiten im September in Belarus wurde zur Begründung erläutert, dass ein Überleben des Kinderzentrums nur noch möglich zu sein scheint, wenn es in rein staatlicher Trägerschaft weitermacht. Auch die verbliebene belarussische NGO - der Verein „lebendige Partnerschaft“ - ist mittlerweile aus der Trägerschaft ausgeschieden.
Die vielen schönen, teilweise auch euphorischen Erinnerungen, die in Villigst geteilt wurden, Erinnerungen an ein Pilotprojekt, das auf Inklusion, Nachhaltigkeit, erneuerbare Energien und andere in Belarus eher seltener vorkommenden Aspekte gesetzt hat, Erinnerungen, die auch die Grundmotivation - die Versöhnung - nicht aussparte, stehen im Kontrast zu den offenen Fragen zur Zukunft. Kann der Grundansatz einer ganzheitlichen Gesundheitsförderung mit nachhaltiger Arbeitsweise auch unter rein staatlicher Trägerschaft erhalten bleiben? Auch wenn Skepsis nicht komplett ausgeschlossen werden konnte, schließen die Freunde von Nadeshda in Deutschland weitere Partnerschaftsprojekte nicht aus. In Villigst wurde ein Baum gepflanzt, der an dieses Freundschaftstreffen erinnern soll. Steht er für ein Ende oder für eine weitere Zukunft?
Foto: Die Teilnehmenden aus Belarus und Deutschland beim Freundestreffen am 5. März in Villigst (IKG)
Ralf Höffken
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