IKG präsentiert sich auf der 27. Weltökosteuerkonferenz in Berlin

Kompensationen im Klimaschutz bleiben herausfordernd

Die Weltökosteuer GCET27, federführend organisiert vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK), fand jetzt in Berlin unter der Teilnahme von rund 150 Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen aus der ganzen Welt und aller Disziplinen statt. Die Konferenz endete mit einer klaren Botschaft: „Marktbasierte Instrumente wie Emissionshandel, CO2-Steuern und -Kompensationen sind ein wichtiger Motor für eine wirksame Klimapolitik, aber der Motor benötigt ab und an ein wenig Öl, um rund zu laufen“. Dabei sei die wissenschaftliche Begleitung solcher Instrumente ein zentraler Schmierstoff, bei der Einführung, der Evaluation und bei notwendigen Reformen. Das Institut für Kirche und Gesellschaft (IKG) engagiert sich in diesem Diskurs seit vielen Jahren, wissenschaftlich, aber auch politisch.

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Auf Einladung der Organisator*innen zeigten Dr. Sven Rudolph, Referent für Klimapolitik am IKG, und seine brasilianisch-australische Kollegin Dr. Elena Aydos von der Universität Newcastle, Australien, am Beispiel Brasiliens, dass Kompensationsprojekte, wie sie das Pariser Klimaabkommen unter Artikel 6 vorsieht, durchaus einen theoretischen Charme besitzen. So können sie im Idealfall gleichzeitig Emissionsreduktionen kostengünstig erreichen und zur nachhaltigen Entwicklung im Globalen Süden beitragen. Die Realität sieht aber leider anders aus: Nach neuesten Studien stellen nur 7% der Emissionsreduktionen aus dem Clean Development Mechanism des Kyoto Protokolls tatsächlich zusätzliche Minderung dar. Hinzu treten unter anderem eingeschränkte institutionelle Kapazitäten in den Projektgastgeberländern des Globalen Südens. Gleichwohl bietet gerade Brasilien als waldreiches Schwellenland vielfältige Möglichkeiten, gemeinsam Klimaschutzprojekte umzusetzen. Und bei Anforderungen an die Berücksichtigung von Rechten indigener Bevölkerungsteile ist Brasilien viel weiter als die internationalen Regularien zu Kompensationen unter dem Paris Abkommen. Damit muss auch die EKvW und andere Landeskirchen bei der Nutzung von Kompensationen zur Erreichung ihres Treibhausgas-Neutralitätsziels, genau darauf achten, welche Projekte sie unterstützen. Das IKG bietet hierzu seit Sommer 2026 ein fundiertes Beratungsprogramm an.

In seiner Keynote zur Eröffnung der GCET27 entwickelte Prof. Dr. Ottmar Edenhofer, Direktor und Chefökonom des PIK, einen Vorschlag zur Bildung neuer Koalitionen für einen ambitionierten globalen Klimaschutz: Diejenigen, die die Klima-Finanzmittel einzahlen, dürfen auch über die konkreten Verwendungen (mit)entscheiden. Das ist eine wesentliche Neuerung gegenüber der derzeitigen Klimafinanzierungspraxis. Dass gerade der europäische CO2-Grenzausgleich CBAM, eine Art CO2-Zoll auf Produkte aus Ländern ohne CO2-Preis, für die globale Verbreitung marktbasierter Klimaschutzinstrumente zentral ist, unterstrich die international renommierte Weltbank-Ökonomin Carolyn Fischer, Doktorin der Philosophie, in ihrer Eröffnungsrede für den zweiten Konferenztag. Mittlerweile unterlägen dank CBAM weltweit rund 90% aller Emissionen aus Sektoren, die vom EU-Emissionshandel betroffen sind, einer CO2-Bepreisung. Für sein Engagement um den EU-Emissionshandel wurde der aus Südwestfalen stammende Europaabgeordnete Peter Liese mit dem nach dem Gründer der Weltökosteuerkonferenz benannten Larry Kreiser Award geehrte. Das IKG begleitet die Fortentwicklung und den Ausbau des EU-Emissionshandels intensiv durch eigene Diskussionsbeiträge, aber auch im Rahmen der politischen Arbeit in der Klima-Allianz Deutschland.

Die GCET27 hat insgesamt erneut gezeigt, wie vielfältig der globale Einsatz marktbasierter Klimaschutzinstrumente ist, wie erfolgreich, aber auch wie herausfordernd. Genug Gesprächsstoff also für die nächste Weltökosteuerkonferenz im kommenden Jahr in Athen. Das IKG wird wieder dabei sein.

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Dr. Sven Rudolph, Referent Klimapolitik

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Dr. Sven Rudolph
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