Nur manche mögen’s heißer – Biodiversitäts- und Klimaschutz am Beispiel Wald
Dass Klimaschutz und der Schutz der Biodiversität von herausragender Bedeutung sind, um menschliches Leben auf der Erde auf Dauer zu ermöglichen, diese Erkenntnis dürfte mittlerweile als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Zu eindringlich und auch außerhalb wissenschaftlicher Kreise für jeden sichtbar sind doch bereits heute die Folgen der Klimaerwärmung und des teils dramatischen Rückgangs von Arten. Und ja, ebenso richtig ist: Es gibt derzeit viele Kriege, Krisen und Herausforderungen auf dieser Welt gleichzeitig, aber Klima- und Biodiversitätsschutz können nun einmal nicht warten, bis wir so weit sind. Und, gleich zu Beginn: Hat es der Klimaschutz schon schwer, so bekommt der Biodiversitätsverlust nicht annähernd die politische und gesellschaftliche Aufmerksamkeit, die er verdient.

Biodiversität, was weitaus mehr meint als nur „Artenvielfalt“, wird dabei von vielen Faktoren beeinflusst, darunter auch – und wahrscheinlich zunehmend an Bedeutung gewinnend – dem Klimawandel. Klimaschutz und Biodiversitätsschutz gehören also eng zusammen und können zu vielfachen Synergien führen. Die jeweiligen Ansätze können aber auch miteinander konkurrieren, nicht zuletzt um Aufmerksamkeit und Ressourcen, und sie können in einigen Bereichen auch Zielkonflikte mit sich bringen.
Diese verschiedenen Facetten beleuchtete eine Tagung der Ev. Akademie Villigst in Zusammenarbeit mit der Natur- und Umweltschutzakademie NRW (NUA) Ende September. Ziel war es, Biodiversitäts- und Klimaschutz zusammenzudenken, international und national, an einem der bedeutendsten Lebensräume überhaupt, dem Wald. Selbst in einem so dicht besiedelten Land wie Deutschland nehmen Wälder etwa 30 Prozent der Landesfläche ein, und insbesondere naturnahe Wälder sind Hotspots der Biodiversität. Nur ein Beispiel: Im Leipziger Auenwald beherbergen Stieleichen und Winterlinden geschätzt jeweils zwischen 300 und 400 Käferarten. Zugleich sind Wälder von ökonomischer Bedeutung, hier und weltweit, und sie sind fest eingeplant als Kohlenstoffsenke für den globalen Klimaschutz.
Klimaschutz also und Hotspot der Biodiversität, aber auch Holzlieferant und Wasserspeicher, Frischluftversorger und Erholungsraum, die Liste der Ökosystemleistungen des Waldes ist lang. Und auch wenn der Wald selbst sich vielleicht irgendwann irgendwie an grundlegend veränderte Bedingungen anpassen kann, ohne diese ganzen Leistungen des Waldes werden wir Menschen absehbar sehr große Probleme bekommen.
Noch einmal ein paar Zahlen hierzu, Professor Norbert Weber wies in seinem Vortrag darauf hin: 70 bis 80 Prozent der weltweiten terrestrischen Biodiversität ist in Wäldern beheimatet, Wälder erbringen jährlich einen direkten Beitrag für die globale Ökonomie in Höhe von 250 bis 539 Milliarden US-Dollar und Waldzerstörung verursacht Kosten zwischen zwei und fünf Billionen US-Dollar pro Jahr. Und: Waldverlust und ökologische Verschlechterung bestehender Wälder sind die primären globalen Ursachen des Biodiversitätsrückgangs.
Nun haben sowohl Klima- als auch Biodiversitätsschutz bei allen Unzulänglichkeiten bereits vor einigen Jahr(zehnten) begonnen und tatsächlich: Für die bisherigen Erfolge zum Schutz der biologischen Vielfalt, so Professor Josef Settele, waren Konzepte wie zum Beispiel die Einrichtung von Schutzgebieten entscheidend. Diese reichen aber nicht mehr aus, um den Verlust der biologischen Vielfalt auf globaler Ebene einzudämmen. Vielmehr müsse es nun darum gehen, ein ausgewogenes Klima, eine sich selbst erhaltende biologische Vielfalt und gute Lebensbedingungen für alle gleichzeitig in Angriff zu nehmen. Und dabei seien auch unerwünschte Folgen und Nebenwirkungen zu beachten: So kann eine steigende Nachfrage nach Bioenergie im Rahmen von Klimaschutzmaßnahmen in einer Region zu erheblichen Veränderungen in der Landnutzung in anderen Regionen führen.
Der Problemdruck ist also hoch und die konkreten Maßnahmen in ihren Wirkungen manchmal komplex, und dennoch lassen sich zentrale Ansätze nennen: Die Ausweisung von Schutzgebieten und die Sicherstellung des Schutzes, in Zusammenarbeit mit indigenen Bevölkerungsgruppen, auf der einen Seite und eine naturnahe Waldbewirtschaftung auf der anderen Seite.
Die Bedeutung dessen und auch nochmal den engen Zusammenhang zwischen Klima- und Biodiversitätsschutz haben nicht zuletzt die zunehmenden Waldbrände in den vergangenen Jahren gezeigt, die viel Wald weltweit zerstörten und CO² freisetzten. An dieser Stelle ein Ausblick: Am 5. und 6. März wird sich die Villigster Waldtagung 2027 mit den Themen Wasser und Feuer im Wald beschäftigen.
Stefanie Westermann und Sven Rudolph








