Klima- und Energiepolitik

Die Folgen des Klimawandels - ob Dürren oder Starkregenereignisse - häufen sich, in Deutschland und weltweit. Klimaveränderungen sind in vielen Regionen die Hauptfluchtursache. Das 1,5°C Limit des Pariser Klimaabkommens ist jedoch noch durch einen ambitionierten Wandel, der alle Wirtschafts- und Lebensbereiche betrifft, erreichbar.

Viel Zeit wurde seit der Klimarahmenkonvention von Rio de Janeiro, 1992, vertan, in der fast alle Staaten erklärten, den vom Menschen verursachten Eingriff in das Klimasystem zu stoppen. Ein sanfter Reduktionskurs, wie er vielleicht noch vor 20 Jahren möglich war, reicht heute nicht mehr aus, um die Klimakrise abzuwenden. Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichts von März 2021 fordert ein deutlich höheres Ambitionsniveau im Klimaschutz und stellt auf eindrucksvolle Weise die Gerechtigkeit zwischen den Generationen in den Vordergrund.

Nun ist beides notwendig: Die ambitionierte Absenkung der Treibhausgasemissionen, das heißt ein konsequenter Kurswechsel hin zu einer klimaneutralen Gesellschaft in nur wenigen Jahrzehnten und die konsequente, sozialgerechte Gestaltung dieses Wandels.

Im besonderen Maße trifft dies auch auf NRW zu, das als Energieland mit seinem bedeutenden industriellen Kern, seiner komplexen Infrastruktur und einer großen urbanen Dichte Prüfstand für Klimaschutz in Deutschland ist. Erfolgreicher Klimaschutz muss sich in NRW bewähren. Soziale Spaltungen und wirtschaftliche Strukturbrüche müssen vermieden werden. 

Die deutliche Verschärfung der EU-Klimaziele auf 55% Reduktion der CO2 Emissionen/Basis 1990 ist ein wichtiger Schritt und lässt hoffen. Jedoch mangelt es immer noch an konkreten Maßnahmen und Umsetzungsprozessen in den Bereichen Energieerzeugung, Industrie, Wohnen, Mobilität. Hier sind Diskurse notwendig, um Interessensgegensätze und Blockaden zu überwinden und Konvergenzen.

Vor uns liegen somit entscheidende Jahre. Als Kirche wie auch als Institut versuchen wir, unseren Möglichkeiten entsprechend, den anstehenden gesellschaftlichen Transformationsprozess politisch mit zu gestalten und unseren Beitrag zu leisten, dass er ein Erfolg wird. Wir verstehen darunter die allen Christ*innen aufgetragene gute Haushalter*innenschaft, die Erde zu bebauen und zu bewahren.

Das IKG ist von Beginn an in der Klimaallianz Deutschland aktiv. Die Klimaallianz www.klima-allianz.de ist ein Bündnis von Kirchen, Entwicklungsorganisationen, Umwelt- und Sozialverbänden, Gewerkschaften, Verbraucherschutzorganisationen und Jugendverbänden. Ihre Gründung fand 2007 in unserer Landeskirche – in der Evangelischen Akademie (damals Iserlohn) - statt. Das Signal, das von der Gründung ausging hat auch heute noch große Bedeutung: Konsequenter Klimaschutz, fairer Interessensausgleich wird nicht nur von den „üblichen Verdächtigen“ - eingefordert, sondern neben der jungen Generation auch von einem breiten Bündnis großer zivilgesellschaftlicher Organisationen in der Mitte der Gesellschaft.

Darüber hinaus beteiligen wir uns intensiv an dem von uns mitgegründeten „Klimadiskurs NRW“ www.klimadiskurs-nrw.de. Die Initiative wird getragen von wichtigen Akteuren der Wirtschaft, Gewerkschaften, den Kirchen sowie der Zivilgesellschaft (unter anderem den Umweltverbänden). Unser Ziel ist es, die Konfliktlinien unter den genannten Akteursgruppen herauszuarbeiten, Blockaden im Klimaschutz abzubauen und nach Konvergenzen und Gemeinsamkeiten zu suchen, um diese gemeinsam in die politischen Prozesse einzubringen.

Nicht nur die Politik, auch die Wirtschaft, die Zivilgesellschaft und – selbstverständlich – auch die Kirchen müssen ihre bisherige Praxis hinterfragen und auf konsequenten Klimaschutz sowie auf Anpassung an den nicht mehr vermeidbaren Klimawandel umstellen. Das „Kehren vor der eigenen Tür“ ist dabei eine Frage von Glaubwürdigkeit!

Die EkvW kann hier an ein langjähriges Engagement u. a. im IKG anknüpfen:

Seit mehr als 20 Jahren bringen mit Unterstützung des IKG viele Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen den Klima- und Umweltschutz voran: mit der aktuellen Klimaschutzstrategie EKvW 2020, dem kirchlichen Umwelt- und Energiemanagementsystemen, mit dem „Grünen Hahn“ und im Beschaffungsbereich mit unserer Initiative „Zukunft einkaufen“.

Nicht vermeidbare Flüge werden über die kirchliche Initiative „Klima-Kollekte“ kompensiert. Auch Finanzanlagen nutzen wir als ein wichtiges Gestaltungsmittel und Handlungsinstrument.

Hier haben wir strenge Nachhaltigkeitskriterien, die berücksichtigt werden müssen und die unter anderem dazu führen, dass wir uns systematisch und ambitioniert aus Geldanlagen in der klimaschädlichen, fossilen Energieträgergewinnung und Energiewirtschaft zurückziehen (Divestment).

Eine neu eingerichtete Klimaschutzstelle der EKvW im IKG arbeitet seit Sommer vergangenen Jahres an der Neuausrichtung der Klimaschutzstrategie der EKvW mit dem Ziel der Klimaneutralität bis 2040.

Die Aktion „So viel du brauchst – Klimafasten“  (www.klimafasten.de) fand 2021 bereits zum siebten Mal statt - diesmal in 12 Ev. Landeskirchen und 4 kath. Diözesen. Klimafasten ist von der EkvW ausgehend zu einer viel beachteten bundesweiten Bewegung geworden, in der Kirchen ihre alte Suffizienztradition des Fastens mit politischem Engagement für die Schöpfung verbinden.

„Geht doch! Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit“ (www.klimapilgern.de)

Die EkvW ist ein wesentlicher Initiator und Förderer der Klimapilgerbewegung seit 2015 im Anschluss an die Vollversammlung des ÖRK in Busan. Am 14. August 2021 startet im polnischen Zielona Góra der nunmehr 5. Klimapilgerweg und führt zur 26. UN-Klimakonferenz ins schottische Glasgow.

Kontakt

Simone Hüttenberend
02304 / 755 355
simone.huettenberend@kircheundgesellschaft.de
Iserlohner Straße 25
58239 Schwerte